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Das Material

Edles Zinn.

Einst liebevoll „das Silber des kleinen Mannes" genannt, erlebt Zinn heute ein glanzvolles Comeback — besonders in der gehobenen Gastronomie, wo handgegossenes Zinnservice die Bühne für ausgefeilte Küche bildet. Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zu Herkunft, Geschichte und Verwendung dieses faszinierenden Metalls.

In Zahlen

Ein Metall mit jahrtausendealter Geschichte.

Bronzefunde der Kura-Araxes-Kultur belegen, dass bereits 3 500 v. Chr. mit diesem Material gearbeitet wurde. Zinn ist damit eines der ältesten bewusst eingesetzten Metalle der Menschheit — und hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren.

3500 v. Chr.
Erste Bronzefunde der Kura-Araxes-Kultur
Sn
Chemisches Symbol, abgeleitet vom lateinischen stannum
95 %
Zinnanteil der großen Orgelpfeife — Oper Sydney
Geschichte

Von der Bronzezeit bis in die Spitzengastronomie.

Weitere Funde im türkischen Taurus-Gebirge belegen ein nachweisbares Zinnvorkommen seit mindestens 3 000 v. Chr. Zinn-Gegenstände fand man zudem in Grabmalen der 18. Dynastie in Ägypten — datiert auf etwa 1 500 v. Chr. — und es ist bekannt, dass zur selben Zeit Zinn auch in China bereits verarbeitet wurde.

In der Bronzezeit gewann das Material zunehmend an Bedeutung: Durch Legierungen aus Bronze — bestehend aus Zinn und Kupfer — erschlossen sich zahlreiche neue Verwendungsmöglichkeiten. Der römische Schriftsteller Plinius unterschied bereits zwischen plumbum album (Zinn) und plumbum niger (Blei). Der spätere lateinische Name stannum liefert bis heute das chemische Symbol Sn.

Interessant ist auch, dass in der Alchemie das Metall Zinn dem Planeten Jupiter zugeordnet wurde — ein Zeichen für die Wertschätzung, die dieses Material über Jahrhunderte genoss. Im beginnenden Industriezeitalter erlangte Zinn schließlich große Bedeutung bei der Herstellung von Weißblech.

Flüssiges Zinn wird aus der Schöpfkelle in die Gussform gegossen
Eine Gussform wird über einer Flamme erhitzt
Bearbeitung einer Gussform in der Werkstatt
Frisch gegossene Zinnteile mit Gusskanälen
Handwerklicher Zinnguss — Verarbeitungsverfahren in der Werkstatt
Verarbeitung

Verarbeitung des Zinns.

Gepresst, gedrückt oder gegossen? Es gibt verschiedene Verfahren, Zinn zu formen. Das Metall ist sehr dehnbar und lässt sich zu Stanniol auswalzen — der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort für Zinn, stannum, ab. Aus Zinnblech entstehen günstige, gepresste Zinngegenstände; der Unterschied zum gegossenen, wertvolleren Zinn ist erkennbar: Reliefs und Verzierungen gepresster Ware sind auf der Rückseite hohl, die Stücke leichter, das Material dünner. Beim Drückverfahren wird Zinnblech über ein Holzmodell gedrückt.

Die aufwendigste Bearbeitungsart ist das Giessen. Der Meister stellt nach Gips- oder Tonmodellen eine Form aus Stahl oder Gusseisen her — für Hohlgefässe aus Kern und Mantel. Gussformen sind das kostbare Betriebskapital der Zinngiesserei. Handwerklich gegossenes Zinn erkennt man daran, dass Henkel, Deckelscharniere und Griffe durchgehend angelötet sind; beim Anschlag hat es einen hellen, glockenreinen Klang, während gepresste Ware blechern und hohl klingt. Die älteste, aufwendigste Methode ist der Sandguss: In feinem Spezialsand wird eine Form gebaut, die beim Ausformen zerstört wird — solche Stücke haben den Reiz der Einmaligkeit.

Zinnstangen — Rohmaterial für den Zinnguss
Im Gebrauch

Zinn im Gebrauch.

Zinn ist nicht nur ein Schmuck für Tafel und Raum, sondern eignet sich auch vorzüglich für den Gebrauch. Dank einer Legierung ohne Bleizugabe geht es mit keinerlei Genussmitteln gesundheitsschädliche Verbindungen ein — Ess- und Trinkgeschirr lässt sich bedenkenlos verwenden, der Geschmack bleibt rein erhalten. In Zinngefässen hält sich der Inhalt durch die geringe Wärmeleitfähigkeit besonders lange kühl. Wegen des niedrigen Schmelzpunktes sollten Zinngefässe nicht auf heisse Platten oder offene Flammen gestellt werden; und da Zinn ein weiches Metall ist, sind die Stücke vor harten Stössen zu bewahren.

Text und Aufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Rapold-Zinn, Zürich.

Zinngeschirr im alltäglichen Gebrauch — Kanne und Gefäße aus handgegossenem Zinn
Auf Hochglanz poliertes Zinn-Service bildet den glänzenden Rahmen für ausgefeilte Gerichte.
— Gastronomie & Handwerk
Verwendung

Vielseitig. Lebensmittelecht. Nachhaltig.

Produkte aus oder mit Zinn finden sich in vielen Branchen — von der Lebensmittelindustrie über die Spitzengastronomie bis hin zur Kirchenmusik.

  • 01
    Lebensmittelindustrie

    Dank seiner nachgewiesenen Lebensmittelverträglichkeit wird Zinn in der Konservendosenproduktion eingesetzt — die Innenwände, also der Bereich mit unmittelbar Lebensmittelkontakt, bestehen aus einer hochwertigen Zinnlegierung.

  • 02
    Gastronomie

    Zinnbeschichtete Kupferpfannen und -töpfe sind aus professionellen Restaurantküchen nicht mehr wegzudenken: Die Zinnschicht schützt die Speisen vor geschmacklichen Veränderungen durch das Kupfer. In der gehobenen Gastronomie setzt auf Hochglanz poliertes Zinnservice heute neue Maßstäbe.

  • 03
    Kirche & Oper

    Aufgrund seiner ausgezeichneten Klangqualitäten wird Zinn seit Jahrhunderten für Orgelpfeifen und Kirchenglocken verwendet. Die bekannteste große Orgelpfeife — gefertigt für die Oper Sydney — besteht zu 95 % aus Zinn.

  • 04
    Renaissance & Nachhaltigkeit

    Dank eines wachsenden Umweltbewusstseins erlebt Zinn eine verdiente Renaissance: Es lässt sich ohne Umweltbelastung be- und verarbeiten, rückstandsfrei aufbereiten und hält die Temperatur von Speisen besonders gut — ein Material mit Zukunft.

Handwerk entdecken

Zinn in Meisterhand.

Unsere Mitgliedsbetriebe gießen, formen und veredeln Zinn seit Generationen — vom traditionellen Geschirr bis zum individuellen Sonderstück für die gehobene Gastronomie.